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Kommentar: Ehingen blutet aus

Ehingen. Schlecker am Ende, Promarkt macht dicht! Langsam wird die Luft dünn in Ehingen.

Von Nina Möllerring

Langsam gehen mir diese Meldungen an die Nerven: Schlecker ist jetzt komplett am Ende. Viele Menschen werden arbeitslos, Frust und Perspektivlosigkeit machen sich in der Stadt breit. Dieser Tag heute ist der vorläufige Höhepunkt einer gefühlt monatelangen Talfahrt des Gewerbelebens in der Stadt. Kaim gibt auf, Tchibo ade! Und sogar den Promarkt trifft es. Laut Zeitungsberichten soll er aus latentem Kundenmangel im September schließen. Bald hat die Stadt Ehingen genau so viele geschlossene wie offene Ladenlokale. An den Anblick leerer oder mit Tüchern verhängter Schaufenster in der unteren Hauptstraße hab ich mich ja schon gewöhnt. Doch mittlerweile breitet sich das Bild über die ganze Innenstadt aus!

Und Nachfolger für zum Beispiel das riesige Kaim-Gebäude sind weit und breit nicht in Sicht. Das Problem: Der Nachfolger müsste ein Sortiment haben, dass groß genug ist, um die vielen Verkaufsflächen und Etagen mit Ware zu füllen. Zugegeben, davon gibt es so einige: H&M, ZARA, K&L und wie sie alle heißen.

Doch wo bleiben die Kunden, die das alles kaufen sollen? Schon ein Blick in die Einkaufsstraße verrät: Ehingen ist leergefegt, oder zumindest so gut wie. Sogar die Einzelhändler stellen fest, dass es in diesem Frühjahr extrem ruhig ist. Machen Sie mal den Test: Wer um die Mittagszeit durch Ehingen flaniert, erlebt so was von eine „tote Hose“. Hier und da mal ein Passant. Den Blick geradeaus gerichtet. Und alle gehen mit strammem Schritt entweder gen Ladenlokal oder Parkplatz. Von Einkaufsbummel keine Spur. Nur in den beiden Eisdielen ist noch Leben.

Und dabei kann Ehingen doch auch anderes. Gott sei dank gibt es noch die langen Einkaufsnächte und verkaufsoffenen Sonntage. An diesen Tagen wirkt die Stadt wie ausgewechselt. Bunt, fröhlich, laut und voll! Straßenmusiker spielen, die Einzelhändler gehen mir ihren Produkten auf die Straße, um sich zu zeigen. Und vor einigen Läden kann man sogar auf Bierbänken sitzen und Pommes futtern. Herrlich!

Wir wollen wieder mehr davon. Mehr Leben, mehr Angebot, mehr Spaß an der Stadt und ihren Geschäften. Nur wie? Stecken wir vielleicht in einem faustdicken Gewerbe-Tief, das die Talsohle noch nicht erreicht hat? Eins ist sicher: Ehingen droht, langsam auszubluten. Doch ist es nur Aufgabe der Einzelhändler, die Besucher mit schrillen Aktionen wieder in die Stadt zu locken? Was kann die Stadtverwaltung, was können wir Kunden tun?

 

 

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