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Chauffeur kaputt – Die Erlebnisse des Busfahrers Willi Bottenschein

EHINGEN. Seit sechzig Jahren befördert das Familienunternehmen Bottenschein Reisende zu den schönsten Urlaubsplätzen im In- und Ausland. Zahlreiche Geschichten wissen Busfahrer und Geschäftsführer Horst Bottenschein und Vater und Firmengründer Willi Bottenschein aus sechs Jahrzehnten Reisetätigkeit zu berichten.

Von  Aurel Alexander Dörner

Aus einem enormen Fundus an Reisegeschichten verstehen es Vater und Sohn, die Fahrgäste in ihren Bann zu ziehen. Grund genug für Willi Bottenschein, ein Buch darüber zu veröffentlichen. Sein Buch „Chauffeur kaputt – die Erlebnisse des Busfahrers Willi Bottenschein“ erzählt auf amüsante Weise zahlreiche Reisegeschichten der letzten fünfzig Jahre.

Bereits kurze Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg (1952) erteilte die Stadt Ehingen Hildegard und Willi Bottenschein die Genehmigung zum Betrieb eines Busunternehmens mit einem Omnibus, der maximal 22 Sitzplätze haben durfte. Eine wichtige Institution im zerbombten Nachkriegsdeutschland, die die Menschen aus dem harten Alltagsleben entfliehen ließ. Vereinsausflüge, Kegelclubreisen, Betriebsausflüge, Hochzeiten und Beerdigungen waren die ersten Reisegesellschaften des jungen Einmann-Unternehmens. Wenige besaßen in dieser Zeit schon einen eigenen PKW. Willkommen war die motorisierte Möglichkeit, die Flucht raus aus den tristen Städten rein in die intakte Natur anzutreten. Die begehrtesten Sommerziele waren Oberstdorf, Füssen und der Bodensee.

Insbesondere im Winter chauffierte Willi Bottenschein alsbald Arbeiter auf ihrem Weg zum Dienst. Er gründete eine eigene Arbeiterlinie, die von Ehingen aus über Nasgenstadt, Griesingen, Rißtissen und  Ersingen nach Ulm führte. Bereits ein Jahr nach Firmengründung musste der 22-Sitzer einem Luxusbus mit 34 Schlafsesseln weichen. Bald waren die Kapazitäten des einzigen Omnibusses erschöpft, ein zweiter Bus kam

1958 hinzu, ein dritter folgte 1959. Der Fuhrpark und die Familie wuchs. 1959 wurde der heutige Firmenchef Horst Bottenschein geboren. Im gleichen Jahr baute die Familie in der Hehlestraße in Ehingen. Ein Wohnhaus mit Abstell- und Wartungshalle für drei Omnibusse war von nun an Standort des Reiseunternehmens. 1963 startete Bottenschein Reisen das erste Mal nach Tramin in Südtirol, eine Reise, die viele Jahre großen Anklang fand. 1964 folgten die ersten Städtereisen nach Wien, Budapest, Paris und London. 1966 schaffte das Unternehmen im Rahmen der Schulreform einen Linienverkehr für Schüler.

 

1975 wurde erneut gebaut. Ein neuer Betriebshof in der Ulmer Straße mit ausreichend Platz für acht Omnibusse ist bis dato zentraler Standort des Unternehmens in Ehingen. Zum 25-jährigen Jubiläum 1977 erfüllte sich Seniorchef Willi Bottenschein einen Traum, einen Hochdecker-Bus der Marke Kässbohrer mit 10 Zylindern und 320 PS.

Das jährliche Reiseprogramm umfasste inzwischen ganze 10 Katalogseiten. Zahlreiche Tagesfahrten gestalteten das Programm umfangreicher. Mehrtagesreisen wie beispielsweise eine 8-Tage-Rundreise durch Skandinavien rundeten das europaweite Angebot ab. „Damals kostete in der Hochsaison eine 2-Tagesreise ins Ötztal inklusive Halbpension gerade einmal 35 Euro“, weiß  Geschäftsführer Horst Bottenschein zu berichten.

1988 eröffnete Bottenschein ein eigenes Reisebüro am Standort Ulmer Straße in Ehingen. Zusammen mit dem Softwareunternehmen Ratio Software entwickelte der Juniorchef alsbald ein Computer-Programm für Busunternehmer, das heute sogar zum Marktführer in der Branche avanciert ist. 1989 wurde der Vertrieb über Reisebüros in Ulm und Biberach begonnen, der Veranstalterbereich im Bereich Bus- und Flugtouristik stark ausgeweitet. 1990 eröffnete das Unternehmen in Ehingens Stadtmitte ein neues Reisebüro. 1992 wird erstmalig ein umfangreicher Reisekatalog mit zwei kooperierenden Familienunternehmen, Müller Reisen aus Rottweil und Sailer Reisen aus Rottenburg, herausgegeben.

Mit der Idee, Busreisen zu Musicals durchzuführen, setzte Renate Bottenschein einen Trend, der sich bis heute erfolgreich durchsetzt. Zwischenzeitlich ist der Fuhrpark auf 15 Fahrzeuge angewachsen. Das Unternehmen beschäftigt 30 Mitarbeiter. Einen wichtigen Meilenstein setzten Renate und Horst Bottenschein 1996, als sie das einstmals großväterliche Busunternehmen König-Panis aus Laupheim käuflich erwarben.

Zusammen mit den Busunternehmen Müller Reisen und Sailer Reisen gründet Bottenschein 1999 die P.I.T. – Partner Internationaler Touristik GmbH & Co. KG -  eine Kooperation im Reiseverkehr. Im Jahre 2000 wurde die SVL-Stadtverkehr Laupheim GmbH gegründet, die den Stadtverkehr in Laupheim bedient. 2001 erwirbt Bottenschein das Busunternehmen „Schwenkkrauss“ in Blaubeuren. Pfiffige Ideen sind ein Markenzeichen des Unternehmens.

Mit einem Kurzreise-Angebot ins Weltall für 111.111 Euro schaffte es Horst Bottenschein 2003 ins Sat 1- Frühstücksfernsehen. Für die Reisebroschüre  P.I.T.-Vital gewinnt das Ehinger Unternehmen die Auszeichnung „Roter Bus“, ein Innovations- und Marketingpreis des Internationalen Bustouristikverbandes  RDA.

2004 stellt Bottenschein ein attraktives Beförderungskonzept für das Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim vor und bringt damit zwei Konferenzbusse ins Rollen. Täglich chauffieren zwei Busse mit Konferenzraum und Tagungstechnik Mitarbeiter im Werksverkehr zwischen Biberach und Ingelheim. Einen weiteren Meilenstein setzt das Unternehmen im gleichen Jahr mit der Eröffnung einer Bottenschein-Filiale in Peking und organisiert vor Ort für chinesische Firmen und das chinesische Sozial-, Presse-und Finanzministerium Incentives in Deutschland und Europa. Spezial- und Urlaubsreisen nach China gehören seitdem zum Portfolio.

2005 investiert das Unternehmen in die Erweiterung des Laupheimer Betriebes. Eine neue 600 Quadratmeter große Bushalle bietet damit Platz für 8 Busse mit einer Länge von bis zu 18 Metern.

2008 führt die Fachzeitschrift „Busplaner“  in Zusammenarbeit mit Bottenschein Reisen aus Ehingen einen halbjährigen „Bus-Langzeit-Test“ durch. Aus bundesweit 63 Bewerbungen wurde das Ehingen Unternehmen dafür ausgewählt. Fahrerschulungen sind seit jeher ein fester Bestandteil bei Bottenschein Reisen.

2009 setzt das Bottenschein-Team mit einer deutschlandweit ersten Sicherheitsschulung von Reisebegleitern und Busfahrern ein weiteres Zeichen für mehr Sicherheit in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Zum Auftakt der Reisesaison 2010 hat das mittelständische Ehinger Unternehmen Bottenschein Reisen in sieben neue Omnibusse investiert. Über 1,5 Millionen Euro flossen in vier Fahrzeuge, die im Linienverkehr und drei Busse im Reiseverkehr eingesetzt werden. Umweltaspekte, höchster Komfort und Sicherheit inbegriffen. Bottenschein stellt das neue, in einer öffentlichen Abstimmung gewählte Designkonzept für die Beklebung der Bottenschein Busflotte vor.

2011 investiert Bottenschein Reisen in 4 neue Omnibusse, darunter ein neuer Setra Doppeldecker mit neuester Sicherheitstechnik und Komfort wie Abstandsregelautomat, Lane Guard und digitalem Fernsehen (DVBT) für unterwegs. Der Großteil der umweltfreundlichen Busflotte ( Reise und Linie) hat bereits eine grüne Plakette. So sind zum Saisonstart 2012 noch drei weitere neue 4-Sterne Reisebusse bestellt.

Die Vielfalt an Reisen bei Bottenschein ist 2012 so groß, dass es neben dem Hauptkatalog insgesamt sechs weitere Kataloge für Reisen wie Kururlaube, Tagesfahrten, Fluss- und Hochseekreuzfahrten und kombinierte Bus-Flug-Reisen zur Urlaubsauswahl gibt. Inzwischen ist der Fuhrpark des Unternehmens auf 40 Fahrzeuge gewachsen. 11.000 Fuhrpark-PS legen eine jährliche Distanz von über zwei Millionen Kilometer pro Jahr zurück. Gemeinsam mit 60 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen streben Horst Bottenschein und seine Frau Renate mit Töchterchen Tessa die kommenden 60 Jahre in der Welt des Reisens an.